Hans Peter
25. Feb 2008 von Sandra
Am höchsten Punkt des Himalajas, in eisiger Kälte, lebte ein kleiner, gar unscheinbarer Mann.
Nackt, von allen verlassen.
Seine breiten Füße trugen ihn zurück in seine Höhle, in der ein kleines, behagliches Feuer brannte, und die kargen, grauen Steinwände in zartes Orange tauchte.
Eine Höhle also, ohne jegliches Leben, niemand der ihn stören konnte … der perfekte Ort, sich einfach mal fallen zu lassen, zu entspannen.
Also tat der kleine, gar unscheinbare Mann das. Mit einem leisen, zufriedenen Stöhnen ließ er sich auf den nackten Hintern plumpsen und sah sich um.
Doch was war das?
Durchkreuzte da gerade ein Gedanke von großer Wichtigkeit seinen glatten, fettglänzenden Schädel?
Er versuchte diesen Gedanken ausfindig zu machen, hörte ganz genau hin …
Und da war er wieder, mit starker, dunkler Stimme sprach er: Hans-Peter! Such dir eine Frau!
Ja!, dachte Hans-Peter. Ja, ja, ja, ja! So und nicht anders!
Siegessicher und entschlossen sprang der nackte Mann empor, wobei „Er“ enthusiastisch hin und her wackelte, und kramte aus seinen Hosentaschen (wir ignorieren an dieser Stelle, dass Hans-Peter nackt war) die letzten Goldtaler hervor, um sich Gertrude, eine gutaussehende Bekannte, zu leisten.
Doch da war es wieder: Nein, Hans-Peter! So war das nicht gemeint! Nicht die fleischlichen Lüste sollst du suchen! Nein! Die LIEBE !!!
Verdutzt blieb HP (so nannten ihn seine Freunde gerne) stehen, mit der Hand auf der Türklinke, die er nicht besaß, da seine Höhle wiederum nicht mal eine Tür hatte, drehte sich um, und starrte vor sich in die Luft, in seiner Wahrnehmung sein Gewissen, an.
Wie … warum?, fragte er schockiert. wie jetzt? So ganz und gar ohne ??
Doch sein Gewissen hörte ihn nicht, da es sich gerade ‚Hey-Ya‘ von Outkast reinzog, kräftig mitsang, und sich – wie so oft – nicht um den armen, kleinen, mutterlosen HP kümmern wollte; dafür war es auch zu schlecht bezahlt und außerdem machte es dem Gewissen Spaß einen auf Gott-Verschnitt zu machen, der mit seinen Kreaturen spielt.
Jedenfalls … wo waren wir? Ach ja …
Noch verwirrter als vorher wandte Hans-Peter sich wieder zur Tür und trat hinaus, die anhaltenden ‚Hey-Ya‘-Rufe in seinem Kopf so gut es ging ignorierend.
Die Luft um diese Tageszeit war auf dem Himalaja recht angenehm, knappe 41,3°C im Schatten, und der Schnee knarrte leise unter seinen Hufen.
So, Frau, komm‘ heraus wo immer du auch bist!, rief er in die weiße Landschaft hinaus und wartete. Und wartete. Bis schließlich …
Nein, doch nicht, Hans-Peter wartete noch.
Langsam dämmerte es.
Doch es dämmerte nicht nur im natürlichen sine, auch HP dämmerte so langsam, dass er so nicht weiter kam.
Beweg doch einfach mal deinen fetten Arsch, unternahm das Gewissen noch einen letzten, wütenden Versuch.
Der dicke, nackte Mann öffnete den Mund um der Stimme in seiner Wasserbirne nachzuplappern, bis er begriff, dass es nicht der Frau galt, die endlich herkommen sollte, sondern ihm, Hans-Peter selbst.
Sollte es wirklich so schwer sein, eine Frau für sich zu finden?
Er war doch ein sehr attraktiver Mann! (sah man mal von den schwarzen, leicht vergammelten Zähnen und den zahlreichen eitrigen Geschwülsten überall auf seinem Körper ab)
Gut, eine Frau musste also her.
Oder er zu einer Frau, je nachdem, was im Moment schneller ging, denn HP hatte es schließlich eilig eine Frau zu finden!